Meeresschildkröten

Immer wieder auf unserer Reise begegnen uns die verschiedensten Lebewesen und durch ihre Einzigartigkeit ziehen sie uns in ihren Bann und man möchte soviel wie möglich über diese Tiere in Erfahrung bringen. So geschah es auch mit den Meeresschildkröten. In Mexiko, genauer auf der Baja California, wurde das Thema so präsent, dass ich mich mal schlau gemacht habe und euch eine kleine Zusammenfassung geben möchte. In unserem Blog habe ich ja schon erzählt, dass wir in Todos Santos ein Schildkrötenprojekt besucht haben. Hier durften wir die Grüne Meeresschildkröte ins Meer entlassen (ab Dezember gibt es dann hier die Lederschildkröte) und hoffentlich einen guten Start ins Leben ermöglichen. Das hat mich so fasziniert, dass ich einfach mehr über Meeresschildkröten erfahren wollte.

Meeresschildkröten sind wohl die ältesten Reptilien, die seit rund 225 Millionen Jahren die Weltmeere bewohnen und sich dabei kaum verändert haben. Heutzutage gibt es noch 7 verschiedene Arten von Meeresschildkröten (Lederschildkröte, Australische Suppenschildkröte, Echte Karettschildkröte, Grüne Meeresschildkröte, Kemp`s Bastardschildkröte, Pazifische Bastardschildkröte, Unechte Karettschildkröte), wobei die Lederschildkröte, die eine eigene Art bildet, die Größte ist. Mit einer Panzerlänge von bis zu 2.50 m und einem Gewicht von ca. 300-700 kg ist das schon ganz stattlich.  Den Namen hat diese Schildkröte übrigens dadurch bekommen, weil sie nicht wie andere einen harten Panzer mit Hornschuppen besitzt, sondern ihr loser Knochenpanzer ist vielmehr von einer lederartigen Haut überzogen. Der Hals ist verhältnismäßig sehr kurz und kann auch nicht in den Panzer zurückgezogen werden. Krallen besitzen sie auch keine, was auch eher untypisch ist. Oben auf dem Kopf hat jede Lederschildkröte einen rosa Fleck, wobei die Funktion noch unbekannt ist. Sie sind ausgezeichnete Taucher, sie erreichen eine Tiefe von bis zu 1200 m. Mit ihren Schwimmflossen kann sie einen halben Meter pro Sekunde in die Tiefe vordringen, danach werden ihre Schläge aber gemächlicher und sie gleitet sanft weiter hinunter ohne große Anstrengung. Durch ihre dicke Fettschicht können diese Art von Schildkröten sogar in kalten Gewässern vorkommen. Sie können ihre Körpertemperatur bis zu 18 Grad über der des umgebenen Gewässers halten. So kann es sein, dass man diese auch in Schottland zu Gesicht bekommt. 

Um genug Energie zu haben braucht die Schildi natürlich auch genug Nahrung. So frisst diese zwischen 10 und 100 kg Quallen pro Tag. Das ist nicht wenig. Interessant ist auch, dass sie ihr ganzes Leben lang als Einzelgänger umherzieht und etliche tausende Kilometer im Meer zurücklegt. Nur zur Paarung kommen sie zusammen. Danach schwimmt das Weibchen an ihren Geburtsort zurück, um selbst ihre Eier abzulegen und dann wieder auf Reisen zu gehen. Dort legt sie 50-200 Eier in eine Sandgrube ab und verschwindet wieder. Das passiert alle 2-3 Jahre. Und jetzt kommen wir ins Spiel. Da manche Schildkröten ihre Eier zu nahe am Wasser ablegen und es die Nester sehr oft von Menschen oder anderen Raubtieren geplündert werden, schaffen es nur sehr wenige Eier, bis zum Schlüpf Tag. Vor ein paar Jahren gab es noch hunderte Weibchen, die an einen Strand kamen um ihre Eier abzulegen. Heute ist dieses Bild eher selten, da viele Strände verbaut wurden durch den Menschen, der Klimawandel eine Rolle spielt, viele Schildis verfangen sich in Fischernetzen und bleiben hängen und ertrinken somit qualvoll. Die zunehmende Meeresverschmutzung tut auch seinen Anteil daran (man muss sich vorstellen, dass ein ganzer Lastwagen voll Plastikmüll pro Minute ins Meer gelangt). Zudem kommt noch die steigende Nachfrage nach Schildkrötenfleisch oder das man aus dem Panzer Schmuck oder ähnliches herstellt. 6 der 7 Arten sind schon auf der roten Liste der bedrohten Arten aufgelistet. Kein gutes Zeichen. Und genau deshalb müssen wir etwas tun, damit diese einzigartigen Tiere uns noch lange erhalten bleiben. Umso schöner ist es zu sehen, dass es solche Projekte gibt, wie hier in Mexiko. Diese leben auch fast ausschließlich von Spenden und durch Publikation ihrer Tätigkeit. Diese fleißigen Helfer fahren jede Nacht Patrouille am Strand entlang (40 km auf und ab) und schauen nach Spuren von Nestern, um so die Eier sicher an einen Ort zu bringen und durch die Wärme im Sand schlüpfen die Kleinen nach ca. 50 Tagen aus und werden danach am Abend bei Dämmerung ins Meer gelassen. So haben sie wenigstens eine größere Chance zu überleben. Da die frisch geschlüpften Schildis wirklich voll klein sind, warten ganz viele Gefahren auf sie. Sie werden oft auf dem Weg ins Meer von Krebsen und Vögeln gefressen und schaffen es somit nicht mal ins Wasser. Schon traurig. Erst müssen sie ihre ganze Kraft aufbringen um ans Wasser zu gelangen, dann fallen sie oft auf den Rücken und kommen kaum wieder auf die Beine und dann zu guter Letzt kommt so ein Krebs und frisst sie auf. Selbst im Meer lauern dann Raubfische und andere Gefahren auf das kleine Wesen. Von sage und schreibe 1000 Eiern schafft es nur durchschnittlich eines zu einer ausgewachsenen Meeresschildkröte. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Also wer die Gelegenheit bekommt, sich so etwas anzuschauen, sollte es unbedingt auch machen. Es ist einfach faszinierend wie neues Leben entsteht.

Vielen Dank an Lucienne für die tollen Fotos, die du uns zur Verfügung gestellt hast.

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