Labrador

Weiter geht die lange Reise. Wir legen noch einen 2 tägigen Aufenthalt am Lac Manicouagan ein. Wenn man in Google Maps schaut sieht man einen riesigen ringförmig geformten See mit einer großen Insel in der Mitte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass vor ungefähr 214 Millionen Jahren ein Asteroid mit einem Durchmesser von etwa 5 km einschlug. Kaum vorzustellen.

Dort ist mitten im Nirgendwo ein kleiner Camp Ground zu finden, der sich noch im Bau befindet. 3 nette Mitarbeiter sind vor Ort und wir dürfen im Hauptgebäude alle Annehmlichkeiten mit nutzen und schlafen etwa 1.5 km entfernt direkt am See in unserer Emma. Am Abend machen wir gemütlich ein Lagerfeuer und genießen den tollen Sonnenuntergang.

Ein paar Wanderwege gibt es wohl auch, aber das Wetter kippt mal wieder und es wäre zu gefährlich.

Weiter geht’s dann ganz früh am Morgen nach Labrador City. Das sind 240 km, teils Schotterpiste, aber besser wie erwartet. Die Stadt an sich ist nicht sehr attraktiv und viel kann man hier auch nicht machen. Also nur ein Zwischenstopp um einzukaufen und zu tanken.

Auf unsere Wildlife Begegnungen warten wir bis jetzt auch immer noch. Seit 4 Wochen sind wir nun in Kanada unterwegs, aber noch keinen Elch oder Bären gesichtet. Wo verstecken die sich denn alle?

Auf dem Weg nach Happy Valley Goose Bay, dem Herz Labradors, kommen wir noch an dem Ort Churchill Falls vorbei. Genau da gibt es auch die gleichnamigen Wasserfälle. Wir laufen den einzigen Wanderweg, den es dort gibt, entlang und freuen uns endlich mal etwas machen zu können, aber dann müssen wir leider wieder umkehren weil wir sonst im Schnee versinken und der Weg einfach zu sumpfig ist. Also geht’s wieder weiter auf die Straße. An dem Tag fahren wir 530 km. Die Straße ist bis kurz nach Happy Valley Goose Bay noch asphaltiert, also kommen wir gut voran.

Unterwegs sehen wir Gebiete wo es wohl heftige Waldbrände gab und eine schöne Winterlandschaft begleitet uns. Hier dauert es wohl noch ein paar Wochen bis der Schnee weggetaut ist.

Dort angekommen wollen wir mal die Touristeninfo aufsuchen und uns informieren, was man hier so machen kann. Nur stehen wir in einem Raum und keiner ist anwesend und es liegen überwiegend Prospekte von Neufundland rum. Super. Dann schauen wir uns halt mal die 3 Museen an, die es laut Internet hier gibt. Zwei davon befinden sich in einem Shop und Museum ist auch etwas übertrieben. Eher ein Raum mit ein paar Ausstellungsstücken. Aber eine nette Dame gibt uns noch einen Tipp für einen Aussichtspunkt in North West River. Also los geht’s.

Wir erfahren auch einiges über die Einwohner hier. Zum Beispiel auf einer Seite des Flusses leben noch die Ureinwohner (Innu`s genannt), also gehen wir doch da auch mal hin. Im Dörfchen Sheshatshiu angekommen sind wir erstmal geschockt von dem ganzen Müll was überall rumliegt. Nicht nur in den Straßengräben, sondern jedes einzelne Haus ist umgeben von Müll. Die Hunde spielen damit und das Kinderspielzeug liegt auch mittendrin. Ganz schrecklich. Und 5 km weiter sind Straßenschilder aufgestellt, dass man Strafe zahlen muss, wenn man Müll in der Natur entsorgt. Kurios!

Übernachten tun wir auf einem geschlossenen Campingplatz an einem See. Ein nettes, ruhiges Plätzchen.

Da man hier eh nichts weiter machen kann geht’s nun zielstrebig Richtung Cartwright. Das soll unser nördlichster Punkt der ganzen Reise sein, falls wir nicht spontan noch unsere Pläne ändern.

Der Weg ist wieder nicht so spektakulär wie erwartet und Cartwright selbst auch nicht so besonders.

Aber dann passierts, auf dem Rückweg zu unserem heutigen Stellplatz seh ich auf einmal etwas Dunkles am Wegrand und bin ganz erstaunt. Ein Bär!!!!!!! Ja, tatsächlich ein Bär. Christoph muss in die Eisen steigen und zurückfahren. Da steht er nun und schaut uns an und flüchtet in den Wald zurück. Wir konnten vor lauter Freude nicht schnell genug die Kamera einstellen und so ist das Foto leider etwas überbelichtet. Aber man erkennt ihn!!!! Was für ein tolles Erlebnis. Das rettet unseren Tag.

Dann stehen die letzten 300 km vom Trans Labrador Highway an. Wir starten sehr früh, da wir noch ein paar Abstecher an die Küste unternehmen wollen. Positiv überrascht sind wir von St. Lewis, einem kleinen Fischerdorf. Die Sonne strahlt als wir in den Ort fahren und die vielen Eisschollen im Meer treiben sehen. Was für eine Kulisse. Megaaaaa………

Also die letzten 200 km von Labrador sind wirklich unser persönliches Highlight.

Wir haben auch unseren ersten Aufkleber für Emma besorgt. Grins.

Nach 6 Tagen auf dem Trans Labrador Highway ist unser Fazit:

Es war eine spannende Erfahrung im Nirgendwo für hunderte von Kilometern fast vollkommen alleine auf der Straße zu sein ohne jeglichen Handyempfang. Die Landschaft ist nach mehreren Stunden eigentlich fast immer gleich. Wenn es nicht die zugefrorenen Seen und den Schnee gegeben hätte, wäre es wohl noch eintöniger gewesen.

Leider gibt es kaum Wanderwege oder mal einen schönen Aussichtspunkt an der Straße, wo man halten darf.

Die weinigen Ortschaften sind meist nur Arbeitergemeinden, die nicht auf Touristen eingestellt sind.

Supermärkte und Tankstellen mit Diesel gab es aber in jeder Stadt. Auch wenn diese ca. 250 km voneinander entfernt waren.

Also wer gerne Auto fährt und Zeit hat, für den ist es sicher mal ein Abenteuer, aber ein „must see“ ist es für uns jedenfalls nicht.

Noch eine kurze interessante Geschichte ist uns durch Zufall begegnet. Wir sitzen in unserem Hotel in Blanc Sablon beim Frühstück und der ehemalige Hotelbesitzer fragt uns woher wir kommen. Als wir Deutschland sagen, fragt er uns, ob wir die Story mit dem ersten Flugzeug das den Atlantik von Ost nach West überquert hat kennen? Ähm nein, das wissen wir nicht. Und er packt uns in sein Auto und fährt uns zum örtlichen Museum und erzählt uns das am 12. April 1928 der erste erfolgreiche Flug von Irland über den Atlantik erfolgte, mit einem deutschen Flugzeug Typ Junkers W33 und deutschen Piloten. Da der Kompass nicht richtig funktioniert hat mussten sie am Freitag, den 13. April 1928 auf der kleinen Insel vor Blanc Sablon notstranden.

Jetzt wollte ich eigentlich den Blog hiermit abschließen und zack ist uns heute noch ein Highlight passiert. Wir wollten uns noch schnell den größten Leuchtturm Labradors und Neufundlands (Point Amour) anschauen und was sehen wir da vor uns im Meer? Schwarze Wellen auf und ab hüpfen. Bis wir sehen, dass es Wale sind. Wow….. Wir haben sicher eine halbe Stunde lang zuschauen können wie sie immer wieder auf und abgetaucht sind. Wir vermuten das es Buckelwale waren, anhand der Schwanzflosse, die sie beim abtauchen schön gezeigt haben. Andere Wale, die zurzeit schon hier angekommen sind (Minkwale), zeigen nur ihre Rückenflosse.

Dann sind wir noch ein wenig die Küste entlanggefahren und sind irgendwo am Beach angehalten. Da kam uns auch schon ein netter Kanadier entgegen und hat uns erzählt das dieser Abschnitt an der Küste zu Forschungszwecken von Fossilien bekannt ist. Er wollte uns dann noch einen Kaffee, Tee oder Wein anbieten bei sich zu Hause. Das haben wir aber abgelehnt, da wir noch zum Fährbüro fahren mussten. Aber auf Fossilienjagd sind wir noch kurz gegangen. Das haben wir uns nicht nehmen lassen.

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