Guatemala

Melchor – Grenzübergang (von Belize)

Nach ca. 14 Tagen haben wir nun Belize verlassen und sind nach Guatemala eingereist. Die Grenze war diesmal auch wieder ohne Probleme passierbar. Erst die Ausreise von Belize abwickeln, alle Stempel im Pass eintragen lassen und das Formular für das Auto wieder abgeben. Zusätzlich muss man noch 40 BZD pro Person zahlen, das sollte man in bar dabeihaben. Keine Kartenzahlung möglich.

Bei der Einreise wird das Auto wieder desinfiziert und kostet 38 BZD. Dann weiter zur Immigration. Man füllt das Formular aus, geht zum Beamten und man erhält seinen Einreisestempel im Pass (90 Tage gültig). Das kostet uns nichts. Dann noch zum nächsten Schalter und das Auto einführen lassen. Dafür muss man vor Ort Kopien vom Einreisestempel im Pass des Fahrzeughalters machen lassen plus Fahrzeugschein und Führerscheinkopien. Das hat uns 180 Q gekostet. Wir bekommen die Papiere und einen Aufkleber für die Frontscheibe und das wars auch schon.

Eine Sache noch, Man kann nur in Quetzales zahlen und in bar. Es gibt aber genug Leute an der Grenze, die fast jede Währung umtauschen. Wir haben sogar unsere mexikanischen Pesos noch eingetauscht. Man sollte jedenfalls genug Bargeld dabei haben.

Die KFZ-Versicherung haben wir vorher per Internet bei SEGUROS G&T abgeschlossen (Kontaktperson: Daniel Alvarado; E-Mail: ealvarado@todoriesgo.net). Diese ist für Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica gültig. Man kann den Zeitraum selbst wählen. Wir haben für 90 Tage 611 Q bezahlt (ca. 75 Euro).

Und schon geht’s los.

Unser erstes Ziel ist Tikal. Ich glaube davon hat jeder schonmal gehört, wer sich mit Guatemala beschäftigt hat. Dies ist eine antike Stadt der Maya in den Regenwäldern im nördlichen Guatemala. Quasi die Nachbarstadt zu Calakmul in Mexiko. Wir campen gemütlich auf der Wiese eines Hotels und können wollen am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang um 6 Uhr losziehen. Der Eingang befindet sich nur 5 Minuten entfernt von uns. Wir stellen uns den Wecker auf 5.15 Uhr. Nun ja, der Plan war gut, aber die Umsetzung war nicht so gelungen. Es hat ab 4.30 Uhr sowas von geregnet, dass wir einfach bis 8 Uhr im Bett liegen geblieben sind. Das wars dann mit unserem Sonnenaufgangsfoto auf der Pyramide. Aber egal. Wir sind trotzdem sehr gespannt. Es ist eine super große Anlage und man merkt, dass es sehr touristisch ist. Es stehen jede Menge Reisebusse davor, aber zum Glück verteilt sich alles gut und wir finden immer ein paar Wege abseits der Massen. Es ist eine schöne Anlage mit vielen Tieren wieder, wie Affen und den Nasenbären. Aber wir müssen sagen, Calakmul hat uns besser gefallen. Trotzdem ist es eine Reise wert. Keine Frage!

Da wir viel über die schlechten Straßenverhältnisse in Guatemala gehört haben, entscheiden wir uns für eine Route, mal etwas umgekehrt, wie es sonst alle machen würden. Dafür fällt halt dann leider ein tolles Reiseziel aus, was mich persönlich sehr interessiert hätte. Aber wir haben noch viel vor und da ist das auch ok. Es wären die Wasserbecken von Semuc Champey gewesen. Ganz tolle mit türkisfarbenem Wasser gefüllte Pools. Wirklich eine Traum Landschaft, wenn man es auf Fotos betrachtet.

So führt uns unser Weg nach Rio Dulce. Das ist östlich gelegen und fast am Karibischen Meer. Die Fahrt alleine ist schon fantastisch. Eine wunderschöne Hügellandschaft begleitet uns. Guatemala hat nur ein paar Kilometer Karibikküste abbekommen und dort befinden sich auch nur 2 Ortschaften. Eine davon heißt Livingston. Dieser Ort ist von Rio Dulce aus mit dem Boot erreichbar. Es werden Touren angeboten oder man kann einfach ein ganzes Boot mit Kapitän alleine für sich mieten. Das machen wir auch und tuckern am nächsten Morgen halb 9 los. Wir fahren durch ein super schönes Naturgebiet mit vielen Vögeln und tollen Häusern in den Mangrovenlandschaften. Wir legen einen Zwischenstopp ein an heißen Quellen. Die kommen hier nur an einer einzigen Stelle vor und man riecht direkt den Schwefel. Ich hüpfe kurz mal rein mit meinen Beinen und es ist richtig heiß an den Füssen. Richtig angenehm. Angekommen in Livingston werden wir gleich von Einheimischen überrannt, die uns eine Tour aufschwatzen wollen. Aber wir lehnen ab und erkunden das Städtchen erstmal selbst. So denken wir jedenfalls. Es dauert keine 10 Minuten kommen wir mit Philip Flores, einem bekannten Musiklehrer hier auf der Insel, ins Gespräch. Er erzählt uns von seinem Volk, den Garifunas. Dies ist eine dunkelhäutige afrokaribische Volksgruppe. Der Rest sind Maya`s, wie er uns erklärt. Beide Gruppen leben auch voneinander getrennt in Livingston. Es gibt insgesamt ca. 48 000 Einwohner, davon 14 000 Garifunas. Leider gab es 2001 einen starken Hurrikan (Iris), der sowohl in Belize als auch in Guatemala verheerende Schäden hinterlassen hat. Man sieht auch heute noch, wieviel zerstört wurde und nach und nach wird alles wiederaufgebaut. Viele Gebäude sind einfach eingefallen und nie wieder angerührt worden. Boote liegen im Hafen und verrotten. Ein ganzer Schiffsfriedhof kann man fast sagen. Wir erfahren ein paar interessante Fakten und können uns so besser ein Bild vom Leben dieser Menschen hier machen. Wirklich spannend. Viele sprechen sogar gutes Englisch, da sie nach Belize rüber fahren mit dem Boot um zur Schule zu gehen. Zum Abschluss spenden wir einen kleinen Betrag für die Kommune und essen noch im Restaurant Gamboa. Von Mutti geführt…grins. Hier gibt es eine Spezialität dieser Gegend. Nennt sich Tapado und ist eine Meeresfrüchte-Kokossuppe mit Kochbananen. Ein Träumchen sag ich euch! Müsst ihr mal probieren! Nach ca. 3.5h in Livingston geht es mit dem Boot zurück und wir fahren zum Castillo San Felipe de Lara. Ein altes Fort Es diente damals zur Abwehr von englischen, holländischen und portugiesischen Piraten. Ein toller Tagesausflug geht zu Ende. Wir haben es sichtlich genossen und können es nur weiterempfehlen.

Nun steht uns eine längere Fahrt bevor in Richtung Guatemala City. Das erste Stück ist noch recht angenehm zum Fahren bis es immer mehr Lastwagen werden, die vor uns herum tuckern. Am schlimmsten jedoch sind die sogenannten Chicken Buses. Die öffentlichen Busse, die überholen und fahren in einer Geschwindigkeit, dass man nur staunen kann. Wir müssen auch ein Stück durch Guatemala City fahren, um an unser Ziel zu kommen. Nicht sehr angenehm, aber mit etwas Geduld erreichen wir die Cabana Suiza, ein Schweizer Hotel in den Bergen mit Blick auf die Stadt. Hier können wir kostenlos stehen und aus Anstand sollte man im Cafè einmal Essen gehen. Diese Location wird von einem Deutsch-Schweizer Ehepaar geführt und ist typisch schweizerisch eingerichtet. Echt lustig. Da wurde jedes kleinste Detail nachgebaut. Auf der Speisekarte findet man dann auch Rösti und lecker Wähe (Käsekuchen mit Obst). Die Preise sind allerdings auch an die Schweiz angepasst hehe……..

Am nächsten Tag fahren wir an Antigua vorbei in das Örtchen San Jose Calderas. Nicht wundern, wir besuchen hier keine einzige Stadt, da sie nicht so besonders hübsch sein sollen und wir eher die Natursehenswürdigkeiten bevor ziehen. Zudem kommt noch, dass wir unseren Verschiffungstermin von Panama nach Kolumbien schon gebucht haben und jetzt ein bisschen Gas geben müssen.

In San Jose werden wir schon von Catalino erwartet, mit ihm haben wir über Whatsapp eine Vulkantour gebucht (ASOAVA Tours). Am Vortag dürfen wir bei seiner Familie zu Abend essen und den Alltag einer guatemalischen Großfamilie miterleben.  So wohnen zum Beispiel seine 5 Brüder rundherum um sein Grundstück und seine Kinder wohnen ebenfalls direkt nebenan. Ganz traditionell wird hier noch mit Hand gewaschen und es gibt auch keine heiße Dusche oder Toilettenspülung. Nein, da wird das Wasser noch auf dem Holzofen heiß gemacht und mit in die Dusche genommen. Unsere Emma dürfen wir nebenan auf dem Fußballplatz parkieren und nächtigen auch dort. Catalino erzählt uns auch, dass wir bewacht werden und sein Bruder immer ein Auge auf uns wirft. Wir fühlen uns aber sehr wohl und keinesfalls unsicher in dem Dorf. Ein kleiner Spaziergang durch den Ort zeigt uns mal wieder, wie nett und freundlich die guatemalische Bevölkerung ist. Wir kaufen ein paar Pfirsiche bei einer Frau an der Straße und fragen nach, ob es eine Bäckerei hier in der Nähe gibt. Anstatt uns groß was zu erklären schickt sie ihre Söhne, die uns bis zum Laden begleiten. Richtig nett. Als Belohnung bekommen die Jungs auch ein paar Kekse. Allgemein haben wir einen so überaus positiven Eindruck von diesem Land. Uns gefällt es richtig gut hier. In Mexiko waren die Menschen eher noch etwas zurückhaltender und scheu. Hier sind sie viel offener und vor allem sehr fröhlich. Natürlich gibt es auch sehr arme Gegenden und auf der anderen Seite gibt es hier auch sehr reiche Leute. Die Gegensätze sind wirklich groß und teilweise sehr traurig anzusehen. Da sieht man mal wieder wie ungerecht die Welt sein kann.

So, nun kommen wir aber zu unserem bisher größten Abenteuer unserer Reise. Zu dem Zeitpunkt wussten wir es aber noch nicht. Es soll für uns auf den Vulkan Acatenango gehen. Dies ist einer von 37 Vulkanen in ganz Guatemala mit einer Höhe von 3976m. Er ist einer der höchsten Schichtvulkane Mittelamerikas. Und genau da müssen wir hoch, um den noch aktiven Nachbarvulkan Fuego zu beobachten, wie er mehrmals pro Stunde explodiert. Um dies auch bei Nacht zu beobachten werden wir auf dem Vulkan in einem Basecamp übernachten. Wie spannend. Aber erstmal steht uns eine 4-6 stündige Wanderung (naja, Qual trifft es wohl eher) bevor. Es geht gleich zu Beginn richtig steil nach oben. Der Startpunkt ist bei 2400m und unser Basecamp liegt auf 3650m. Das bedeutet, wir müssen 1250 Höhenmeter beklimmen. Dazu haben wir noch jeder ca. 3-4 L Wasser im Gepäck und eine ganze Kameraausrüstung. Christoph hat sich noch gedacht, och, ich pack mal mein großes Objektiv und die größte Kamera plus ein Stativ ein. Ich will ja auch was spüren beim Aufstieg. Naja, nach ca. 10 min bereut er es schon und würde am liebsten alles auspacken. Unser Glück ist, Schlafsack, Zelt und Isomatte sind bereits im Camp und wir müssen das nicht auch noch schleppen. Trotzdem ist es ein richtiger Kampf und die Höhe macht es auch nicht einfacher. Da wir zum Glück an diesem Tag nur zu zweit sind mit unserem Guide, können wir uns die Pausen einteilen, wie wir lustig sind. Nach 5 harten Stunden haben wir dann unser Ziel erreicht. Wir müssen feststellen, dass sich jeder verdammte Meter gelohnt hat. Es ist einfach atemberaubend schön und faszinierend. Das Wetter zeigt sich auch von seiner besten Seite. Zur Begrüßung spuckt der Vulkan Fuego auch erstmal eine gigantische Rauchwolke aus mit einem Donnergroll. Wow……..was für ein Erlebnis. Die ganze Nacht hört man es donnern und der Berg glüht quasi feuerrot. Die Höhe macht Christoph etwas zu schaffen und er bekommt tierische Kopfschmerzen. Bei mir geht es aber zum Glück. So gehen wir früh zu Bett in unser Zelt und können somit morgens den tollen Sonnenaufgang beobachten. Nach einem guten Frühstück geht es dann um 8 Uhr wieder runter vom Vulkan. Der Abstieg dauert nur 2h. Man rutscht mehr als das man läuft und wir sind froh, dass wir unsere Wanderstöcke dabei haben um uns abzufangen. Unten angekommen sind wir zwar kaputt und haben etliche Blasen am Fuß, dafür aber mega glücklich! Wir verabschieden uns von Catalino und seiner Familie und ziehen weiter zum Lake Atitlan. Dort werden wir erstmal ein paar Tage in Panajachel entspannen. Der riesige Kratersee ist auch umgeben von mehreren Vulkanen und bietet eine fantastische Sicht. Wir stehen mitten am See auf einer Wiese und relaxen.

 

Ganz in der Nähe brennt ein Hügel und wir beobachten die Löscharbeiten mit den Helikoptern. Ganz schön trocken hier zu dieser Zeit. Aber wir genießen die letzten Tage in Guatemala. Wir können jetzt schon sagen, dieses Land ist wirklich eine Reise wert. Es gibt soviel zu sehen und die Gastfreundlichkeit der Menschen hier ist einfach toll. Schade, dass wir nicht mehr Zeit haben.